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2010 IIHF A-WELTMEISTERSCHAFT
 
Niederlage gegen Deutschland

Die WM in Deutschland ist für das Schweizer Nationalteam zu Ende. Das Team von Sean Simpson verlor in Mannheim den Viertelfinal gegen den Gastgeber 0:1 und verpasste dadurch eine grosse Chance.


Statt erstmals seit 1998 in den Halbfinal einzuziehen, mussten die Schweizer geschlagen vom Eis. Niederlagen gegen Deutschland schmerzen immer -- und noch viel mehr in einem Viertelfinal. Doch die Schweizer fanden nach den Niederlagen gegen Norwegen (2:3) und Schweden (0:5) nicht mehr zur Form zurück, die sie in ersten vier siegreichen Partien ausgezeichnet hatte. Der euphorisierte Gastgeber nutzte dank seinen kämpferischen Qualitäten die Chance, sich gegen die schwächelnden Schweizer durchzusetzen. Und so reichte den Deutschen im erwarteten Abnützungskampf der Treffer von Philipp Gogulla (31.) zum Einzug in die Halbfinals. Nach der Schlusssirene entluden sich die Emotionen in einer Massenkeilerei; die Schweizer verabschiedeten sich wenig ruhmreich aus dem Turnier.

Die WM endet aus Schweizer Sicht mit einem zwiespältigen Eindruck. Den angestrebten Viertelfinal erreichte Simpsons Team dank den ausgezeichneten Darbietungen zum Auftakt souverän. Mit den Siegen gegen Kanada (4:1) und Tschechien (3:2) übertraf die junge Equipe, die mit wenig Kredit ins Turnier gestartet war, vorerst die Erwartungen. Auf die Euphorie folgte nun jedoch die Ernüchterung. Nach der vorzeitigen Qualifikation für die Top 8 schwanden die Kräfte. Und so kamen die Schweizer einmal mehr nicht über den Viertelfinal hinaus, obwohl die Chance dazu gegen den vermeintlich schwächeren Gegner mehr als nur optimal gewesen wäre.

Plüss mit Bärendienst

Die bittere Niederlage leitete in der 16. Minute ausgerechnet einer der Teamleader ein. Martin Plüss liess sich zu einem Stockstich gegen Christian Ehrhoff provozieren und leistete der Mannschaft damit einen Bärendienst. Der deutsche NHL-Verteidiger (Vancouver Canucks) liess sich zwar etwas gar theatralisch fallen, die Fünfminuten-Strafe (plus Restausschluss) gegen den schweizer WM-Topskorer war jedoch vertretbar. Die Unterzahl überstanden die Schweizer zwar ohne Gegentor, Plüss fehlte dem Team in der Folge jedoch spürbar.

Die Schweizer hatten die Partie ganz ordentlich begonnen. Sie führten spielerisch die wie erwartet feinere Klinge und besassen im ersten Drittel zahlreiche ausgezeichnete Chancen, um in Führung zu gehen. Marcel Jenni und Paolo Duca vergaben jedoch vor dem erneut starken deutschen Kepper Dennis Endras die besten Möglichkeiten.

Weil die Schweizer ihre Chancen ausliessen, fand Deutschland nach einem nervösen Start immer besser in die Partie. Und kurz nach Spielmitte verwertete Philip Gogulla einen Abpraller zur sich abzeichnenden und nicht uneverdienten Führung des Gastgebers. In der Folge spielte sich der Gastgeber vor 12'500 euphorischen Fans in der ausverkauften Arena zwischenzeitlich in einen wahren Spielrausch. Die Schweizer liessen sich im Mitteldrittel immer wieder in ihr eigenes Drittel drücken.

Im letzten Abschnitt drehte das Spielgeschehen. Die Schweizer versuchten die Wende doch noch zu erzwingen und schnürten die Deutschen in den letzten zehn Minuten regelrecht ein. Das Schussverhältnis von 19:5 im Schlussabschnitt (total 41:25) dokumentierte die Schweizer Überlegenheit. Doch der Puck wollte nicht ins Tor: Damien Brunner traf gut sieben Minuten vor dem Ende das leere Tor nicht, und insgesamt viermal rettete die Torumrandung Deutschland vor einem Gegentreffer (Ambühl, Monnet und zweimal Duca). Auch mit einem sechsten Feldspieler und ohne Torhüter Martin Gerber fiel der Ausgleich nicht mehr.


Erfolgreiche Revanche für 1992

Und statt der Schweiz, welche die WM im 5. Rang beendet, spielt nun Deutschland in Köln um die Medaillen und im Halbfinal gegen Topfavorit und Titelverteidiger Russland. Deutschland revanchierte sich mit dem vierten Sieg aus den letzten 20 Duellen erfolgreich für die Niederlage 1992 in Prag, als die Schweizer den WM-Viertelfinal gegen den nördlichen Nachbarn mit 3:1 für sich entschieden. Für die Schweizer war es nach zuletzt drei Siegen (2004, 2005 und 2009) die erste Niederlage gegen Deutschland an einer WM.

Telegramm:

Deutschland - Schweiz 1:0 (0:0, 1:0, 0:0)
SAP-Arena, Mannheim. -- 12 500 Zuschauer (ausverkauft). -- SR Laaksonen/Sterns (Fi/USA), Brown/Terho (USA/Fi). -- Tor: 31. Gogulla (Hospelt, Sulzer) 1:0. -- Strafen: 1mal 2 Minuten gegen Deutschland, 1mal 2 plus 5 Minuten (Martin Plüss) plus Spieldauer (Martin Plüss) gegen die Schweiz.
Deutschland: Endras; Ehrhoff, Dietrich; Krueger, Sulzer; Braun, Holzer; Nicolai Goc; Schütz, Marcel Goc, Rankel; Wolf, Ullmann, Müller; Hager, Hospelt, Gogulla; Felski, Barta, Kreutzer.
Schweiz: Martin Gerber; Seger, Julien Vauclair; Hirschi, Bezina; Du Bois, Josi; Helbling; Déruns, Martin Plüss, Rüthemann; Duca, Savary, Romano Lemm; Damien Brunner, Ambühl, Monnet; Björn Christen, Trachsler, Jenni; Romy.
Bemerkungen: Schweiz ohne Stephan (Ersatztorhüter), Manzato, Geering, Niederreiter (alle überzählig) und Back (nicht gemeldet). Timeout Schweiz (58:36), Schweiz danach ohne Torhüter. -- Schüsse: Deutschland 25 (6-14-5); Schweiz 41 (12-10-19). -- Powerplay: Deutschland 0/1; Schweiz 0/1.

Sean Simpson (EQ Images)
 
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